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Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen aufgrund Bundesnotbremse verfassungsgemäß

Mit Be­schluss vom 19.11.2021 (Az. 1 BvR 781/21, 1 BvR 889/21, 1 BvR 860/21, 1 BvR 854/21, 1 BvR 820/21, 1 BvR 805/21, 1 BvR 798/21) hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fas­sungs­be­schwer­den zu Aus­gangs- und Kon­takt­be­schränkun­gen im Vier­ten Ge­setz zum Schutz der Bevölke­rung bei ei­ner epi­de­mi­schen Lage von na­tio­na­ler Trag­weite („Bun­des­not­bremse“) als er­folg­los ab­ge­wie­sen. Eine Ver­fas­sungs­be­schwerde ge­gen wei­tere Ein­schränkun­gen, etwa im Ein­zel­han­del, wurde als un­zulässig zurück­ge­wie­sen.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat Ver­fas­sungs­be­schwer­den zurück­ge­wie­sen, die sich u. a. ge­gen die in § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 IfSG für gut zwei Mo­nate ein­gefügten bußgeld­be­wehr­ten Aus­gangs­be­schränkun­gen so­wie bußgeld­be­wehr­ten Kon­takt­be­schränkun­gen nach § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 IfSG zur Eindämmung der Corona-Pan­de­mie rich­te­ten.

Wie das BVerfG ausführt, wa­ren die Aus­gangs- und Kon­takt­be­schränkun­gen Be­stand­teile ei­nes Schutz­kon­zepts des Ge­setz­ge­bers, das ins­ge­samt dem Le­bens- und Ge­sund­heits­schutz so­wie der Auf­recht­er­hal­tung ei­nes funk­ti­onsfähi­gen Ge­sund­heits­sys­tems als über­ra­gend wich­ti­gen Ge­mein­wohl­be­lan­gen diente. Wenn­gleich die Maßnah­men er­heb­lich in ver­schie­dene Grund­rechte ein­grif­fen, hielt das BVerfG diese in der äußers­ten Ge­fah­ren­lage der Pan­de­mie als mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Sie wa­ren trotz des Ein­griffs­ge­wichts verhält­nismäßig.

Ma­te­ri­ell­recht­lich nicht ein­ge­gan­gen ist das BVerfG auf die Be­schränkun­gen von Frei­zeit- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen, La­den­ge­schäften, Sport und Gaststätten. Die ent­spre­chende Ver­fas­sungs­be­schwerde war nicht zulässig er­ho­ben wor­den.

Hin­weis: Auch die Schul­schließun­gen wa­ren gemäß Be­schluss des BVerfG vom 19.11.2021 (Az. 1 BvR 971/21, 1 BvR 1069/21) nach der im April 2021 be­ste­hen­den Er­kennt­nis- und Sach­lage zulässig. In die­ser Ent­schei­dung wurde erst­ma­lig ein Recht der Kin­der und Ju­gend­li­chen ge­genüber dem Staat auf schu­li­sche Bil­dung an­er­kannt. Auch die­sem Recht stan­den über­ra­gende Ge­mein­wohl­be­lange in Ge­stalt der Ab­wehr von Ge­fah­ren für Le­ben und Ge­sund­heit und für die Funk­ti­onsfähig­keit des Ge­sund­heits­sys­tems ge­genüber, de­nen nach der sei­ner­zeit ver­tret­ba­ren Ein­schätzung des Ge­setz­ge­bers auch durch Schul­schließun­gen be­geg­net wer­den konnte.

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