Ernährungs- und Genussmittelindustrie nach Corona: Eine Branche steht vor nachhaltigem Wandel

Neue Studie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V. sowie von Ebner Stolz gibt Orientierung und Impulse.

Die Corona-Pan­de­mie besch­leu­nigt den Wan­del im Ernäh­rungs­sek­tor: Beste­hende Ent­wick­lun­gen wie der Preis- und Mar­gen­druck set­zen sich fort, Stra­te­gien und Geschäfts­mo­delle kom­men auf den Prüf­stand, Trends wie Nach­hal­tig­keit und Digi­ta­li­sie­rung bekom­men zusätz­li­chen Auf­trieb und „New Work“ ver­än­dert tra­di­tio­nelle Arbeits­mus­ter.

Ernährungs- und Genussmittelindustrie nach Corona: Eine Branche steht vor nachhaltigem Wandel© Photocase

Das ist das Ergeb­nis der aktu­el­len Stu­die „Alles anders?“ der Bun­des­ve­r­ei­ni­gung der Deut­schen Ernäh­rungs­in­du­s­trie (BVE), der Arbeit­ge­ber­ve­r­ei­ni­gung Nah­rung und Genuss e.V. (ANG) sowie von Ebner Stolz, die auf Basis der Befra­gung von Bran­chen­ex­per­ten aus über 180 Unter­neh­men die Aus­wir­kun­gen von Corona auf die Ernäh­rungs- und Genuss­mit­tel­in­du­s­trie unter­sucht hat.

Die Bilan­zen der Unter­neh­men ver­deut­li­chen den Hand­lungs­druck im Ernäh­rungs­sek­tor, denn die Pan­de­mie hat dort im ver­gan­ge­nen Jahr teil­weise tiefe Spu­ren hin­ter­las­sen. Es ver­wun­dert daher nicht, dass 60 Pro­zent der 188 Umfra­ge­teil­neh­mer für 2020 mit deut­li­chen Umsatz­rück­gän­gen rech­nen. Mit Blick in die Zukunft ist die Bran­che aber durch­aus opti­mis­tisch: 57 Pro­zent der Unter­neh­men gehen davon aus, dass sich die all­ge­meine Geschäfts­lage wie­der oder wei­ter ver­bes­sert und knapp vier Fünf­tel der befrag­ten Top-Ent­schei­der gehen davon aus, dass spä­tes­tens 2022 wie­der die Umsatz­ni­ve­aus der Vor­kri­sen­zeit erreicht wer­den.

„Das Bild ist hier aller­dings unein­heit­lich, denn die Corona-Pan­de­mie hat zu deut­li­chen Ver­wer­fun­gen inn­er­halb der Ernäh­rungs­in­du­s­trie geführt. Wäh­rend die Lock-Downs und die not­wen­dige Ver­la­ge­rung vie­ler Pro­zesse in die digi­tale Welt zwar den Online-Han­del und das Direkt­ge­schäft mit den Ver­ar­bei­tern beför­dern, haben der Großhan­del sowie das Geschäft mit Großv­er­brau­chern und Gas­tro­no­mie und der Export erheb­lich gelit­ten. Die Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik steht mit der Bewäl­ti­gung der Kri­sen­fol­gen vor einer Mam­mu­t­auf­gabe und muss rasch die rich­ti­gen Wei­chen stel­len, damit Unter­neh­men am Stand­ort Deut­sch­land gerade ange­sichts der paral­lel anste­hen­den Nach­hal­tig­keit­s­an­for­de­run­gen eine Per­spek­tive haben“, erläu­tert Chri­s­toph Min­hoff, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der BVE.

Die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Corona-Pan­de­mie schla­gen sich auch in den Beschäf­ti­gungs­ab­sich­ten der Unter­neh­men nie­der. Zwar erwar­ten 58 Pro­zent der Befrag­ten für 2021 keine Ver­än­de­run­gen. Aber über ein Vier­tel der Umfra­ge­teil­neh­mer befürch­ten, dass sie Per­so­nal abbauen müs­sen; im Bereich Großhan­del/-ver­brau­cher sogar fast ein Drit­tel. Nur acht Pro­zent pla­nen für das lau­fende Jahr mit Neu­ein­stel­lun­gen.

„Die Mehr­heit der Unter­neh­men der Ernäh­rungs- und Genuss­mit­tel­in­du­s­trie rech­net trotz Pan­de­mie mit einem sta­bi­len Beschäf­ti­gungs­ni­veau. Die Bran­che bewährt sich damit als ver­läss­li­cher und kri­sen­fes­ter Arbeit­ge­ber. Den­noch wird sich die Arbeit in der Bran­che zukünf­tig wan­deln, so for­dern Digi­ta­li­sie­rung und Home­of­fice neue Arbeits­wel­ten und eine nach­hal­tige Res­i­li­enz neue Kom­pe­ten­zen“, fasst Ste­fa­nie Sabet, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin der ANG, die Beschäf­ti­gungs­aus­sich­ten der Bran­che zusam­men.

Beim Blick in die Zukunft geht die große Mehr­heit der Umfra­ge­teil­neh­mer
(80 Pro­zent) davon aus, dass die Pan­de­mie zwar nicht zu dis­rup­ti­ven, jedoch zu rele­van­ten oder deut­li­chen Ver­än­de­run­gen in der Ernäh­rungs­in­du­s­trie füh­ren wird. Dazu zäh­len 55 Pro­zent der Befrag­ten ins­be­son­dere die Kon­takt­punkte der Unter­neh­men mit dem Kun­den, die sich ver­stärkt in die digi­tale Welt ver­la­gern wer­den.

Vor allem vier Trends wer­den die Bran­che nach Mei­nung der Exper­ten - teil­weise unab­hän­gig von der aktu­el­len Situa­tion - in naher Zukunft prä­gen. An ers­ter Stelle steht dabei der Preis- und Mar­gen­druck, von dem 84 Pro­zent der Bran­chen­ex­per­ten anneh­men, dass er sich fort­set­zen wird. Ähn­lich hoch bewer­ten die Befrag­ten den Kom­plex „New Work“, wor­un­ter der Rück­gang von Dien­st­rei­sen sowie die wei­tere Zunahme von fle­xi­b­len Arbeits­for­men und Home Office zusam­men­ge­fasst wer­den. Dar­über hin­aus wer­den Nach­hal­tig­keit und Digi­ta­li­sie­rung als bran­chen­über­g­rei­fende Trends das wei­tere Han­deln im Ernäh­rungs­sek­tor bestim­men.

Zahl­rei­che Unter­neh­men nut­zen des­halb die Krise, um neue Absatz­wege zu ersch­lie­ßen, Pro­zesse, Orga­ni­sa­ti­ons- und Füh­rungs­struk­tu­ren zu hin­ter­fra­gen oder die Digi­ta­li­sie­rung wei­ter vor­an­zu­t­rei­ben. Diese ers­ten Schritte zu einem nach­hal­ti­gen Umbau des Unter­neh­mens gehen häu­fig ein­her mit einer tief­g­rei­fen­den stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung, die zahl­rei­che Aspekte des gegen­wär­ti­gen Geschäfts­mo­dells ein­sch­ließt - von der Neu­de­fini­tion der Ziel­grup­pen, Kanäle und Unter­neh­mens­struk­tu­ren bis zur Anpas­sung von Sorti­men­ten, Orga­ni­sa­ti­ons-, Kos­ten- und Werks­struk­tu­ren.

„Corona wirkt in vie­len Unter­neh­men wie ein Zei­traf­fer. Es mag an der einen oder ande­ren Stelle der Ein­druck ent­ste­hen, dass sich die Welt wei­ter­dreht wie zuvor. Aber der Wan­del ist da - und er ist nicht auf­zu­hal­ten“, fasst Chri­s­toph Haver­mann, Part­ner bei Ebner Stolz, die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in der Ernäh­rungs- und Genuss­mit­tel­in­du­s­trie zusam­men.

Daten und Fak­ten zur Stu­die

Titel der Stu­die: Alles anders? Die Aus­wir­kun­gen von Corona auf die Ernäh­rungs- und Genuss­mit­tel­in­du­s­trie - Ori­en­tie­rung und Impulse

Ver­ant­wort­li­che der Stu­die: Bun­des­ve­r­ei­ni­gung der Deut­schen Ernäh­rungs­in­du­s­trie, Arbeit­ge­ber­ve­r­ei­ni­gung Nah­rung und Genuss e.V., Ebner Stolz Mana­ge­ment Con­sul­tants

Befragte: Für die Stu­die haben wir mit einem Online-Tool füh­r­ende Ver­t­re­ter der Ernäh­rungs­in­du­s­trie befragt. Neben der quan­ti­ta­ti­ven Erhe­bung wur­den Exper­ten­in­ter­views mit Unter­neh­mens­ver­t­re­tern zu ein­zel­nen Schwer­punk­ten geführt. Die Ergeb­nisse sind in die Stu­di­en­do­ku­men­ta­tion ein­ge­f­los­sen.

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