Tax Compliance Management nach der Apfelkuchen-Methode

Im Rahmen eines umsatzsteuerlichen Tax Compliance Management Systems spielt Zuhören große Rolle. Wie es zu der legendären sog. Apfelkuchen-Methode kam, wie dadurch die fachübergreifende Kommunikation gefördert und Tax Compliance im Unternehmen umgesetzt wird, darüber sprechen wir mit Herrn Knut Christians, Leiter der Steuerabteilung der Wieland-Werke AG, Prof. Dr. Thomas Zinser, Steuerberater und Partner bei Ebner Stolz in München, sowie Robert Backes, Steuerberater und Partner bei Ebner Stolz in Köln.

Die Wie­land-Gruppe ist der glo­bal füh­r­ende Spe­zia­list für Kup­fer und Kup­fer­le­gie­run­gen. Für die gegen­wär­ti­gen glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen wie Kli­ma­wan­del, Digi­ta­li­sie­rung und Res­sour­cen­scho­nung, gestal­tet die Unter­neh­mens­gruppe mit ihren Pro­duk­ten, Dienst­leis­tun­gen und Tech­no­lo­gien nach­hal­tige und inno­va­tive Lösun­gen - und ist welt­weit ver­netzt. Das Geschäfts­ge­heim­nis: Zuhö­ren - um den Geschäft­s­part­nern genau das zu bie­ten, was ihren Anfor­de­run­gen ent­spricht. Gemein­sam mit ihnen ent­wi­ckeln sie für Zukunfts­fel­der wie E-Mobi­li­tät, Ener­gie- und Daten­über­tra­gung sowie Kälte- und Kli­ma­tech­nik die rich­ti­gen Kom­po­nen­ten für deren Bedürf­nisse. Zuge­hört wird aber nicht nur den Geschäft­s­part­nern. Auch im Rah­men des umsatz­steu­er­li­chen Tax Com­p­li­ance Mana­ge­ment Sys­tems (Tax CMS) spielt das eine große Rolle. Wie es zu der legen­dä­ren sog. Apfel­ku­chen-Methode kam, wie dadurch die fach­über­g­rei­fende Kom­mu­ni­ka­tion geför­dert und Tax Com­p­li­ance im Unter­neh­men umge­setzt wird, dar­über spre­chen wir mit Herrn Knut Chris­ti­ans, Lei­ter der Steu­er­ab­tei­lung der Wie­land-Werke AG, Prof. Dr. Tho­mas Zin­ser, Steu­er­be­ra­ter und Part­ner bei Ebner Stolz in Mün­chen, sowie Robert Backes, Steu­er­be­ra­ter und Part­ner bei Ebner Stolz in Köln.

© Knut Christians, Wieland-Werke AG

Es führt kein Weg daran vor­bei: im Rah­men eines funk­tio­nie­ren­den inner­be­trieb­li­chen Kon­troll­sys­tems sind Tax Com­p­li­ance Mana­ge­ment Sys­teme uner­läss­lich. Den­noch sch­re­cken viele Unter­neh­men davor zurück, weil sie den gro­ßen Auf­wand fürch­ten. Wie haben Sie sich die­ser The­ma­tik genäh­ert, Herr Chris­ti­ans?

Knut Chris­ti­ans: Die Wie­land-Werke AG hat 2017 eine Inhouse-Steu­er­ab­tei­lung auf­ge­baut. Wir als Steu­er­ab­tei­lung haben uns dann unmit­tel­bar, nach­dem die Kern­mann­schaft stand, mit der grund­sätz­li­chen Aus­rich­tung und dem Thema Tax Com­p­li­ance als pri­mä­rem Ziel beschäf­tigt. Um neben dem Tages­ge­schäft dem Thema Com­p­li­ance die ange­mes­sene Prio­ri­tät zukom­men zu las­sen, haben wir Mei­len­steine defi­niert und dem Top-Mana­ge­ment einen Fahr­plan prä­sen­tiert. Die offene Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tur und eine ziel­ge­rich­tete Arbeits­weise, bei der alle beste­hen­den und nicht beste­hen­den Pro­zesse erfasst und doku­men­tiert wur­den, haben uns ver­ge­gen­wär­tigt, wo wir anset­zen müs­sen. Der Schwer­punkt lag insb. auf dem Erfas­sen der unter­neh­mens- und bran­chen­ty­pi­schen Risi­ken. Das Kern­team für die Vor­be­rei­tung im Bereich Umsatz­steuer bestand aus drei Mit­ar­bei­tern, ink­lu­sive mei­ner Per­son. Zunächst wurde intern dis­ku­tiert, wie die best­mög­li­che Lösung aus­sieht, die Rei­bungs­ver­luste oder Schnitt­s­tel­len-The­men gar nicht erst auf­kom­men lässt. So sind wir mit einer schlag­kräf­ti­gen Ein­heit gestar­tet. Die Unter­stüt­zung des Mana­ge­ments ist her­vor­zu­he­ben. Unser Ansatz hat Com­p­li­ance nie in Wider­spruch zu Effi­zi­enz und Effek­ti­vi­tät ges­tellt, im Gegen­teil. Den Hype um Big Data Ana­ly­sis und die Tat­sa­che, dass die Mit­ar­bei­ter in der steu­er­li­chen Bera­tung IT-Spe­zial­kennt­nisse besit­zen oder sich erar­bei­ten soll­ten, haben wir als Besch­leu­ni­ger genutzt. Der Auf­wand war defini­tiv groß, aber der dar­aus resul­tie­rende Nut­zen ist enorm.

Warum sollte man sich aus­ge­rech­net in der Umsatz­steuer mit Tax Com­p­li­ance beschäf­ti­gen, Herr Prof. Zin­ser?

Prof. Dr. Tho­mas Zin­ser: Die Umsatz­steuer ist für ein Tax Com­p­li­ance Sys­tem gera­dezu prä­d­es­ti­niert. Das umsatz­steu­er­li­che „Mas­sen­ver­fah­ren“ - also typi­scher­weise hohe Trans­ak­ti­ons­vo­lu­mina - führt dazu, dass z. B. unzu­tref­fend beur­teilte und erklärte Umsätze sehr sch­nell einen erheb­li­chen Berich­ti­gungs­be­darf her­vor­ru­fen. Damit ein­her gehen hohe Risi­ken für das Unter­neh­men durch steu­er­li­che Mehr­be­las­tun­gen, wie Steu­er­nach­zah­lun­gen, die nach wie vor 6 % p. a. betra­gen­den Nach­zah­lungs­zin­sen oder Säum­nis- und Ver­spä­t­ungs­zu­schläge. Zudem ist die Umsatz­steuer mitt­ler­weile eine enorm kom­plexe und feh­ler­an­fäl­lige Mate­rie gewor­den, so dass diese regel­mä­ßig das größte Steu­er­ri­siko für Unter­neh­men dar­s­tellt. Risi­ko­s­tei­gernd kommt hinzu, dass auch häu­fig steu­er­re­le­vante Ent­schei­dun­gen von einem eher fach­f­rem­den Per­so­nen­kreis (etwa aus dem Ein­kauf oder dem Ver­trieb) getrof­fen wer­den.

Mit einem ange­mes­sen aus­ge­stal­te­ten und auch tat­säch­lich geleb­ten Tax Com­p­li­ance Sys­tem wer­den nun Struk­tu­ren geschaf­fen, die dazu bei­tra­gen, die Erfül­lung der steu­er­recht­li­chen Pflich­ten sicher­zu­s­tel­len - und auch dem straf­recht­li­chen Damo­k­les­schwert vor­beu­gen. Oberste Prio­ri­tät haben dabei vor allem die Iden­ti­fi­ka­tion steu­er­li­cher Risi­ken und der damit kor­res­pon­die­rende Aus­schluss von Feh­ler­qu­el­len, wie etwa der feh­len­­den Wei­ter­gabe steu­er­lich rele­van­ter Infor­ma­tio­nen. Insb. im Bereich der Umsatz­steuer bie­tet ein der­ar­ti­ges Sys­tem aber noch viel mehr: Durch die Über­prü­fung der Abläufe in der Steu­er­ab­tei­lung und in jenen Fach­be­rei­chen, die (steu­er­li­che) Daten auf­be­rei­ten, las­sen sich Opti­mie­rungs­po­ten­ziale erken­nen und die Effi­zi­enz ver­bes­sern.

Bei einem Tax CMS geht es in ers­ter Linie darum, Pro­zesse im Unter­neh­men zu imp­le­men­tie­ren, um Feh­ler von Anfang an zu ver­mei­den. Wie geht man hier idea­ler­weise vor, Herr Backes?

Robert Backes: Die wich­tigste Grund­re­gel ist, den Umfang der Imp­le­men­tie­rung beherrsch­bar zu hal­ten. Immer­hin geht es darum, sämt­li­che steu­er­li­chen Pro­zesse im Unter­neh­men auf­zu­neh­men, auf den Prüf­stand zu stel­len, Risi­ken zu erken­nen und die Pro­zesse oft­mals durch Stan­dar­di­sie­rung oder Auto­ma­ti­sie­rung zu ver­bes­sern. Die Pro­zesse sowie die dazu­ge­hö­ri­gen Maß­nah­men und Kon­trol­len sind zu doku­men­tie­ren und regel­mä­ßig zu über­wa­chen. Außer­dem müs­sen die betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter mit­ge­nom­men und auf neuen Pro­zes­sen geschult wer­den. Dies alles kommt Unter­neh­men häu­fig als unüber­wind­bare Hürde vor, und zwar insb. des­halb, weil die Imp­le­men­tie­rung des Tax CMS meist neben dem Tages­ge­schäft erfol­gen soll. Daher kommt der rich­ti­gen Pla­nung bei der Imp­le­men­tie­rung ent­schei­dende Bedeu­tung zu. Insb., sofern kein exter­ner Bera­ter mit der Imp­le­men­tie­rung beauf­tragt ist, sollte immer ein steu­er­li­cher Pro­zess nach dem ande­ren ange­gan­gen wer­den. Star­tet man mit einem über­schau­ba­ren Pro­zess, wie z. B. der oft schon stan­dar­di­sier­ten Ein­gangs­rech­nungs­be­ar­bei­tung, kann man sch­nelle Erfolge ver­bu­chen. Das wirkt moti­vie­rend. Die Bear­bei­tung des nächs­ten Pro­zes­ses fällt sofort viel leich­ter und das Tax CMS nimmt sch­nell Gestalt an. Um dies zu unter­stüt­zen, ent­wi­ckeln wir Tools und Arbeits­hil­fen, arbei­ten mit Soft­wa­re­an­bie­tern zusam­men und bie­ten Work­shops an, um den Umgang damit zu ler­nen. Zusätz­lich ist eine zen­trale Pro­jekt­ko­or­di­na­tion erfor­der­lich, um den Über­blick zu behal­ten und sicher­zu­s­tel­len, dass gesetzte Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den.

Und wie setzt man so ein Tax CMS dann ope­ra­tiv im Unter­neh­men am bes­ten um, Herr Chris­ti­ans?

Knut Chris­ti­ans: Wir wur­den bei der Umset­zung von drei Zie­len gelei­tet: wir brau­chen den voll­stän­di­gen Über­blick über alle Pro­zesse und müs­sen dabei ver­ste­hen, was auto­ma­ti­siert abläuft und was noch manu­ell ein­f­ließt. Dane­ben woll­ten wir in kür­zes­ter Zeit eine Grup­pie­rung aller exis­tie­ren­den Fall­ty­pen haben, um aus einer Erwar­tungs­hal­tung offen­sicht­li­che Unge­reimt­hei­ten sofort erken­nen zu kön­nen. Dabei woll­ten wir alle wesent­li­chen und unwe­sent­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen mit einem Blick erfas­sen. Die Ideen des IDW PS980 und IDW PH 1/2016 haben wir in ver­dau­li­che Stück­chen zer­legt und das Ver­ständ­nis sol­cher The­men trai­niert. Uns war sch­nell klar, dass wir eine geeig­nete Kom­mu­ni­ka­ti­ons­st­ra­te­gie brau­chen, damit das Thema an Attrak­ti­vi­tät gewinnt. Klare per­so­na­li­sierte Hand­lungs­an­wei­sun­gen sind der Schlüs­sel. Nicht jeder Mit­ar­bei­ter möchte den gesam­ten UStAE lesen. Es gibt so viele Stich­worte im Erlass, die ver­deut­li­chen, was man alles regeln kann. In unse­ren selbst gehal­te­nen Umsatz­steu­er­schu­lun­gen dür­fen die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen jeweils ein Wort sagen, dass ihnen ein­fach so in den Sinn kommt – wir konn­ten uns sicher sein, dass das Stich­wort in den 758 Sei­ten (Stand 2020) irgendwo ent­hal­ten ist.

Herr Chris­ti­ans, das bei Wie­land imp­le­men­tierte Tax CMS für die Umsatz­steuer setzt sehr stark auf Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung. Wie funk­tio­niert die­ses Tax CMS und was waren die Her­aus­for­de­run­gen bei der Ein­füh­rung?

Knut Chris­ti­ans: Wir haben nach einer 360° Risi­ko­in­ven­tur sys­te­ma­tisch alle Daten aus unse­rem ERP Sys­tem aus­ge­le­sen und aus­ge­wer­tet. Der IT-affine Mit­ar­bei­ter aus der Steu­er­ab­tei­lung ist quasi der neue Mus­te­r­ath­let. Mit der Macht über die Daten kann man dann ein Com­p­li­ance Sys­tem aus­rol­len. Die auto­ma­ti­sierte Steu­er­fin­dung in SAP ist das Herz­stück unse­res Sys­tems, da ein­fa­che, klar nach­voll­zieh­bare Algo­rith­men nie­der­ge­legt und ver­stan­den wer­den müs­sen. Dank exzel­len­ter Ver­net­zung mit der IT-Abtei­lung hat­ten wir hier sch­nell den erfor­der­li­chen Über­blick. Alles was digi­ta­li­siert wer­den kann, wurde gleich umge­setzt oder sofort auf die War­te­liste genom­men. Der Rest ging frei nach dem Motto: just do it oder „Schaffa isch a Gschäft“, wie man im Schwa­ben­land sagt. Zur nach­weis­ba­ren Über­prü­fung haben wir dann mit­hilfe sta­tis­ti­scher Metho­den – in Anleh­nung an das MUS (mone­tary unit sam­p­ling) Ver­fah­ren – unser Kon­troll­sys­tem ein­ge­rich­tet. 

Nun müs­sen Sie uns aber schon noch berich­ten, was sich hin­ter der Apfel­ku­chen-Methode ver­birgt.

Knut Chris­ti­ans: Der Bereich Umsatz­steuer erst­reckt sich über unglaub­lich viele Stel­len im Unter­neh­men, von denen die Mit­ar­bei­ter den Bezug zur Steuer teil­weise noch nicht wahr­neh­men. Daher ist ein Ice­b­rea­ker und wesent­li­cher Bau­stein unse­rer Stra­te­gie die Apfel­ku­chen-Methode: Bei schwie­ri­gen oder über­bor­den­den The­men schafft ein selbst­ge­ba­cke­ner Apfel­ku­chen so gut wie immer die rich­tige Gesprächs­at­mo­sphäre. Eigens dafür frisch geschla­gene Sahne unter­st­reicht das gemein­same Ziel und macht die Umsatz­steuer kuli­na­risch erleb­bar. Kurz: man kon­zen­triert sich auf den Genuss und kann bei­läu­fig gewich­tige The­men lösen. Bei guter Vor­ar­beit backt die Steu­er­ab­tei­lung, und wenn ein Aus­kunfts­su­chen­der vor­ran­gige Bear­bei­tung haben will, geht das auch nur gegen harte Wäh­rung: Apfel­ku­chen. Einige Kol­le­gen ken­nen die Vor­lie­ben der Steu­er­ab­tei­lung bereits so gut und top­pen das Gebäck mit ger­ös­te­ten Man­deln und Mar­zi­pan-Belag …naja, was soll ich sagen: da ist sch­nelle Bear­bei­tung garan­tiert. Das Kaf­fee­kränz­chen ver­süßt den All­tag und ver­bin­det Schwie­ri­ges mit Ange­neh­men.

Es dürfte doch schwie­rig sein, im Elfen­bein­turm der Steu­er­ab­tei­lung die Arbeits­wei­sen in den ope­ra­ti­ven Abtei­lun­gen, etwa im Ein­kauf oder im Ver­trieb, zu ver­ste­hen. Umge­kehrt ist es für diese Abtei­lun­gen schwie­rig, mit der Sch­nell­le­big­keit des Steu­er­rechts Schritt zu hal­ten. Gibt es hier­für ein Patent­re­zept, Herr Chris­ti­ans?

Knut Chris­ti­ans: Ich denke, das Patent­re­zept ist wie bei einer guten Speise. Man muss schon beim Anschauen Appe­tit bekom­men und dabei wer­den ver­schie­dene Sinne ange­spro­chen. Bei uns ist es nicht anders wie in ande­ren Häu­s­ern: Wenn ein Mit­ar­bei­ter der Steu­er­ab­tei­lung einen Mit­ar­bei­ter aus dem Ein­kauf oder Ver­trieb anspricht, schwingt beim Emp­fän­ger erst­mal grund­sätz­lich Unbe­ha­gen mit, weil er ja gar nicht weiß, was ihn erwar­tet. Dem sind wir zuvor­ge­kom­men, indem meine Mit­ar­bei­ter sich unge­zwun­gen zum nor­ma­len Aus­tausch und auch zum Small Talk mit einem Kaf­fee oder Espresso im Hause bewegt haben. Wir haben alle Anfra­gen genutzt, um die Kol­le­gen ken­nen­zu­ler­nen und die Sicht der Dinge aus einer ande­ren Per­spek­tive zu erfah­ren. Dabei ist die wirk­same Kom­mu­ni­ka­tion das A und O. Das macht den Betei­lig­ten die Kom­ple­xi­tät klar und führt zu einer Wert­schät­zung, wenn man Arbeits­hil­fen, Richt­li­nien und Check­lis­ten in genau auf den Emp­fän­ger zuge­schnit­te­nen Por­tio­nen ver­teilt. Kurz: Man muss den Elfen­bein­turm ver­las­sen, um die eigent­li­che Funk­tion des Wis­sens­trans­fers über­neh­men zu kön­nen. Es gibt also hier auch ein paar Tricks und Kniffe. Oberste Maxime ist dabei, dass es kei­nes­falls lang­wei­lig wer­den darf.

Herr Backes, Sie haben das Tax CMS für die Umsatz­steuer bei Wie­land zer­ti­fi­ziert. Gab es Ansätze, die Sie in Ihre prak­ti­sche Arbeit bei der Imp­le­men­tie­rung von Tax CMS über­neh­men? Wo bestand Ver­bes­se­rungs­po­ten­zial?

Robert Backes: Es ist immer wie­der berei­chernd, neue Ansätze im Rah­men von Tax CMS zu ent­de­cken, die man nicht sel­ber mit­ent­wi­ckelt hat. Das, was die Steu­er­ab­tei­lung bei Wie­land mit der Imp­le­men­tie­rung des umsatz­steu­er­li­chen Tax CMS geleis­tet hat, ist sehr beein­dru­ckend. Man hat es geschafft, hoch­kom­plexe umsatz­steu­er­li­che Sach­ver­halte durch Auto­ma­ti­sie­rung und gezielte Schu­lung von Mit­ar­bei­tern in den Griff zu bekom­men. Den Mit­ar­bei­tern wer­den durch die Sys­teme viele The­men abge­nom­men, die nicht in ihrer Kern­kom­pe­tenz lie­gen und zu Unsi­cher­hei­ten füh­ren wür­den. Trotz­dem hat man durch eine ent­sp­re­chende Kom­mu­ni­ka­tion eine Kul­tur geschaf­fen, die sicher­s­tellt, dass steu­er­li­che Risi­ken, die von den Sys­te­men noch nicht erfasst, von Mit­ar­bei­tern erkannt und an die Steu­er­ab­tei­lung adres­siert wer­den. Was mich per­sön­lich dabei am meis­ten beein­druckt ist, dass die Steu­er­ab­tei­lung bei Wie­land es durch ihre Kom­mu­ni­ka­ti­ons­st­ra­te­gie schafft, dass die Mit­ar­bei­ter dem Thema Umsatz­steuer auf­ge­sch­los­sen und posi­tiv gegen­über­ste­hen. Dazu trägt auch ein selbst ent­wi­ckel­tes Umsatz­steuer-Quiz bei. Den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­satz der Apfel­ku­chen-Methode wer­den wir sicher­lich auch in andere Pro­jekte mit­neh­men. Denn: Sicher­zu­s­tel­len, dass die steu­er­li­chen Ansp­rech­part­ner von ande­ren Mit­ar­bei­tern über steu­er­lich rele­vante Sach­ver­halte früh­zei­tig infor­miert wer­den, ist oft eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen.

Natür­lich haben wir auch bei Wie­land Ver­bes­se­rungs­po­ten­tial ent­deckt. Dies betraf insb. die Struk­tu­rie­rung der Doku­mente. Zu Beginn des Pro­jek­tes war es für uns als Außen­ste­hende sehr schwer zu über­bli­cken, wel­che Pro­zess­an­wei­sun­gen, Doku­men­ta­tio­nen, Check­lis­ten oder Richt­li­nien zu wel­chen Pro­zes­sen gehö­ren und wie mit­ein­an­der in Ver­bin­dung ste­hen, da sch­licht Refe­ren­zie­run­gen und Über­sich­ten fehl­ten. Diese wur­den jedoch inn­er­halb von kür­zes­ter Zeit ers­tellt und wir konn­ten uns einen Über­blick ver­schaf­fen.

Ein Tax CMS muss ja lau­fend über­wacht und aktua­li­siert wer­den. Wie gehen Sie hier­bei vor, Herr Chris­ti­ans?

Knut Chris­ti­ans: Wir haben eine sys­te­ma­ti­sche Aus­wer­tung der Recht­sp­re­chung und legen im monat­li­chen Jour fix die nächs­ten Schritte fest. Anpas­sun­gen wer­den früh kom­mu­ni­ziert. Der­zeit arbei­ten wir an eige­nen Schu­lungs­vi­deos, um die Wahr­neh­mung der Steu­er­funk­tion zu erhöhen. Auch hier gilt, dass die The­men den Kol­le­gen mög­lichst per­sön­lich zuge­ord­net wer­den. Dann wird dies als sinn­volle Hil­fe­stel­lung ver­stan­den. Ein Tax CMS darf nach der Zer­ti­fi­zie­rung nicht stop­pen: Die ein­ge­rich­te­ten Kon­trol­len sind bes­ten­falls auto­ma­ti­siert und eine frei­ge­räumte Kapa­zi­tät muss sich regel­mä­ßig um die Nach­ar­beit bemühen.

Absch­lie­ßend eine per­sön­li­che Frage, Herr Chris­ti­ans: Was war für Wie­land die Moti­va­tion zur Ein­füh­rung eines Tax CMS? Ist ein sol­ches CMS ein Büro­k­ra­tie­ti­ger, der dazu dient, die Regu­la­rien zu erfül­len, um dadurch die Haf­tungs­ri­si­ken zu mini­mie­ren? Oder hat sich für Wie­land durch die Ein­füh­rung des Tax CMS ein Mehr­wert in der prak­ti­schen Arbeit erge­ben?

Knut Chris­ti­ans: Wie­land strebt in den Geschäft­s­pro­zes­sen nach Exzel­lenz und will die berühmte Extra-Meile gehen. So ist es auch in den Zen­tral­funk­tio­nen. Wir sind quasi Über­zeu­gung­s­tä­ter. Daher ist die Ent­haf­tung des Mana­ge­ments die pri­märe Auf­gabe. Dane­ben sind aber die Iden­ti­fi­zie­rung von Digi­ta­li­sie­rungs­po­ten­tia­len und die Stan­dar­di­sie­rung von nahezu glei­cher Bedeu­tung. Wir gehen davon aus, dass sich für die umsatz­steu­er­li­chen Pro­zesse bereits erste Stan­dards für eine Über­prü­fung in Echt­zeit durch­ge­setzt haben. Der Mehr­wert ist, dass man ziel­ge­rich­tet das gesamte Sys­tem auf­nimmt und bewer­tet, und sich nicht in klei­ne­ren unbe­deu­ten­den Details ver­liert. Jetzt kön­nen wir jede Frage rich­tig ein­ord­nen und dann bereits ein ziel­ge­rich­te­tes Port­fo­lio an ent­sp­re­chen­den Ant­wor­ten bereit­hal­ten. Das schafft Frei­raum für andere Auf­ga­ben. Und für Apfel­ku­chen.

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