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Umfrage - Distressed M&A: Experten rechnen mittel- bis langfristig mit deutlichem Anstieg von Insolvenz- und Krisenfällen

Ba­sie­rend auf ei­ner Um­frage un­ter rund 270 In­sol­venz­ex­per­ten un­ter­suchte Eb­ner Stolz in der Neu­auf­lage der Stu­die „Ak­tu­elle Her­aus­for­de­run­gen bei Un­ter­neh­mens­trans­ak­tio­nen in Kri­sen- und In­sol­venz­si­tua­tio­nen (Distres­sed M&A)“ die zen­tra­len Fra­gen zur wei­te­ren Ent­wick­lung des Trans­ak­ti­ons­ge­sche­hens in Deutsch­land vor dem Hin­ter­grund der Ver­wer­fun­gen durch die Corona-Krise.

Das wich­tigste Er­geb­nis: Kurz­fris­tig schei­nen die bis­her ein­ge­lei­te­ten Un­terstützungsmaßnah­men - Li­qui­ditäts- und Überbrückungs­hil­fen, So­fort­hil­fen, Bun­desbürg­schaf­ten und ein neu auf­ge­leg­ter Wirt­schafts­sta­bi­li­sie­rungs­fonds mit einem Vo­lu­men von rund EUR 100 Mrd. - zu wir­ken. Doch eine Mehr­heit (68%) der be­frag­ten In­sol­venz­ver­wal­ter und Sa­nie­rungs­be­ra­ter rech­net mit­tel- bis lang­fris­tig mit ei­ner stei­gen­den Zahl an Kri­sen- und In­sol­venzfällen.

Umfrage - Distressed MA: Experten rechnen mittel- bis langfristig mit deutlichem Anstieg von Insolvenz- und Krisenfällen© iStock

Gegensätzliche Entwicklung einzelner Branchen setzt sich fort

Wie be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr er­war­tet eine Mehr­heit der Be­frag­ten die stärks­ten Aus­wir­kun­gen der Corona-Krise auf die Bran­chen Tou­ris­mus, Han­del und Tex­til­wirt­schaft. Da­ge­gen rech­nen die Teil­neh­mer der Um­frage mit ei­ner Ent­span­nung im An­la­gen- und Ma­schi­nen­bau und vor al­lem im Be­reich Au­to­mo­tive. Als kri­sen­fest er­weist sich vor al­lem die Nah­rungs- und Ge­nuss­mit­tel­bran­che, die auf­grund ih­rer di­ver­si­fi­zier­ten Ge­schäfts­mo­delle deut­lich bes­ser ein­ge­stuft wird als im Jahr 2021 bei der ers­ten Be­fra­gung von Eb­ner Stolz.

Anstieg bei M&A Prozessen erwartet

Im ver­gan­ge­nen Jahr rech­nete eine Mehr­heit (52%) der be­frag­ten Ex­per­ten mit kurz­fris­tig sto­cken­den M&A-Pro­zes­sen un­ter an­de­rem auf­grund von Rei­se­be­schränkun­gen durch CO­VID-19 und den vorüber­ge­hen­den Rück­zug stra­te­gi­scher In­ves­to­ren. Knapp zwei Drit­tel (65%) der Be­frag­ten ge­hen da­von aus, dass sich dies auch nach Wie­der­ein­set­zung der In­sol­venz­an­trags­pflicht am 1. Mai 2021 zunächst nicht ändern wird. Al­ler­dings er­war­tet knapp die Hälfte (49%) der Ex­per­ten vor al­lem ab 2022 eine spürbare Zu­nahme der In­ves­to­ren­pro­zesse in In­sol­venz­ver­fah­ren.

Strategische Investoren kehren zurück

Einen Grund hierfür se­hen die Um­fra­ge­teil­neh­mer in der un­verändert ho­hen Li­qui­dität im Markt, durch den sich ins­be­son­dere Fi­nanz­in­ves­to­ren nach wie vor einem star­ken An­lage- und Hand­lungs­druck aus­ge­setzt se­hen. Da­her ist es we­nig über­ra­schend, dass je­weils mehr als zwei Drit­tel der In­sol­venz­ver­wal­ter und -be­ra­ter so­wohl kurz­fris­tig (69%) also auch mit­tel- und lang­fris­tig (70%) von einem un­verändert ho­hen bzw. wei­ter stei­gen­den En­ga­ge­ment von Fi­nanz­in­ves­to­ren aus­geht.
 
Ein wei­te­rer Grund liegt in der Rück­kehr stra­te­gi­scher In­ves­to­ren. Ihr En­ga­ge­ment wird sich nach An­sicht von 44% der be­frag­ten In­sol­venz­ver­wal­ter und Sa­nie­rungs­be­ra­ter mit­tel- bis lang­fris­tig deut­lich stei­gern. Denn für Un­ter­neh­men, die kaum von der Krise be­trof­fen sind bzw. diese gut über­stan­den ha­ben, wer­den sich mit­tel- bis lang­fris­tig zahl­rei­che Op­por­tu­nitäten für Zukäufe eröff­nen.

„Dual-Track“-Verfahren und „Opinions“ auf dem Vormarsch

Auffällig ist, dass ein zwei­glei­si­ges Vor­ge­hen im Rah­men ei­nes In­sol­venz­plan­ver­fah­rens im Ver­gleich zum Vor­jahr noch höher ge­schätzt wird. Knapp zwei Drit­tel der Be­frag­ten (65%) sieht ein „Dual-Track“-Ver­fah­ren, das so­wohl die Möglich­keit ei­nes Ver­kaufs, als auch die Ei­gen­sa­nie­rung eröff­net, als zwin­gend er­for­der­lich an.

Darüber hin­aus wurde zu­letzt an Stelle der Durchführung ei­nes vollständi­gen M&A-Pro­zes­ses oft­mals nur ein Markt­test in Form ei­ner „Opi­nion“ ein­ge­holt, um die Er­folgs­aus­sich­ten ei­nes Ver­kaufs­pro­zes­ses zu prüfen und eine Wer­tein­schätzung des Un­ter­neh­mens vor­zu­neh­men. Diese Be­ob­ach­tung bestätig­ten 56% der be­frag­ten Ex­per­ten. Da­bei han­delt es sich um eine Kon­se­quenz aus den ak­tu­ell im­mer noch nied­ri­gen Kauf­prei­sen für Un­ter­neh­men im Distres­sed-Seg­ment, für die sich kurz­fris­tig keine Verände­rung ab­zeich­net.

Neue Möglichkeiten durch StaRUG? 

Mit dem seit 1. Ja­nuar 2021 gel­ten­den StaRUG hat der Ge­setz­ge­ber ein In­stru­ment für die präven­tive Re­struk­tu­rie­rung ge­schaf­fen, das bei Un­ter­neh­men An­reize schaf­fen soll, frühzei­tig Maßnah­men zur Über­win­dung wirt­schaft­li­cher Schwie­rig­kei­ten um­zu­set­zen. Hier herrscht un­ter den be­frag­ten Ex­per­ten aber noch Un­si­cher­heit vor, da bis­lang kaum Er­fah­rungs­werte (82%) aus der Pra­xis vor­lie­gen. Eine deut­li­che Mehr­heit (73%) rech­net nicht mit ei­ner Zu­nahme der Fall­zah­len, da der StaRUG kei­nen Ein­griff in Ar­beit­neh­mer­rechte er­laubt und ein Per­so­nal­ab­bau da­mit als we­sent­li­ches Re­struk­tu­rie­rungs­in­stru­ment aus­schei­det.

Die vollständige Stu­die ist auf An­frage hier erhält­lich.

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